Ich habe gestern im ZDF (Mediathek) einen Bericht über die Bahn in Großbritannien gesehen. Und jeder der mal in Schottland oder überhaupt in Großbritannien die Bahn benutzt hat, bekommt auf jeden Fall eine andere Einstellung zur aktuellen Diskussion rund um die Privatisierung der Deutschen Bahn.

Mir fällt zum Beispiel so schnell kein anderes Land ein, in dem Bahnfahrkarten morgens und abends erheblich teurer sind als z.B. Mittags. Wenn ich also z.B. nach Edinburgh mit dem Zug fahren will, kostet mich das an einem Freitag um 17:00 Uhr ca. 30,- Euro. Mal angenommen ich würde anstatt um 17:00 Uhr um 15:00 Uhr die gleich Strecke fahren, würde mich das ca. 14 Euro kosten. Mach das mal in Deutschland mit einem der täglich von Lübben nach Berlin pendeln muss. Da schwingt die Bratsche aber nach, du…

Glasgow_Central

Für meine Monatskarte in Glasgow zahle ich z.B. 105 Euronen. Für das Geld kriegt man aber auch einiges geboten! Mehr frische Luft, weil mal in der Regel länger auf einen Bus warten muss als geplant(sehr praktisch auf dem Weg zur Arbeit). Kostenlose Zeitung am Morgen, weil man oft garnich anders kann als einem der 4 Leute die einem abwechselnd auf die Füße treten während man im Bus steht auf die Morgenlektüre zu schauen. Einen kostenlosen Slalom-Lauf im Hauptbahnhof (Glasgow Central Station). Ich hab einfach noch nie in meinem Leben einen so vollen Bahnhof gesehen. Jeden Morgen ist da die Hölle los. Die Leute stürmen quasi durch den Bahnhof um entweder noch den Zug zu bekommen (wer weiß ob der nächste auch fährt) oder aus dem Bahnhof rauszukommen und so schnell wie möglich ins Büro zu kommen weil es grad mal kurz aufgehört hat zu regnen (Jeder der mal in Glasgow war wird wissen das sie dennoch nass ankommen werden). Ich hab mir fest vorgenommen den “morgendlichen Wahnsinn” mit der Digicam zu filmen und ins Netz zu stellen.

Zum Schluss gibt es dann noch eine kostenlose Lektion in “Geduld”. In der Regel ist nämlich vor jedem Bahnsteig eine Schlange, weil man dort seine Fahrkarte vorzeigen muss. Das ist auch so n Quatsch. Meine Karte zeige ich auf dem Weg zur Arbeit 4 verschiedenen Personen. Dem Busfahrer, der Tante vorm Bahnsteig, dem Typen im Zug und der Tante die am Zielbahnsteig steht und lächelnd auf mich wartet. Von der Distanz her ist mein täglicher Weg zur Arbeit ca. 16 Kilometer. Dank des dicht gewebten Verkehrsnetzes in Glasgow und Umgebung fahr ich morgens gute 70 Minuten und abends gute 90 Minuten.

glasgowCentralBusy

Die U-Bahn ist definitiv die beste Möglichkeit sich in Glasgow fortzubewegen. Auch abgesehen davon, dass es nur eine Linie gibt und man den U-Bahn Ring in ca. 20 Minuten schaffen kann. Werd demnächst einmal etwas über die U-Bahn schreiben, die hat nämlich so einige Superlative zu bieten.